Pia Hierzegger sprach mit Peter Krobath über die Lust, die aufkommt, wenn man Pornografie mit Humor nimmt.

Peter Krobath: NACKTSCHNECKEN zeigt in amüsanter Form, dass der Beruf eines Pornodarstellers nicht sonderlich erstrebenswert ist.

Pia Hierzegger: Ja, aber das habe ich mir vorher schon gedacht. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nie einen ganzen Pornofilm gesehen habe, nur Dokumentationen über Pornofilme. Dass das nicht besonders erstrebenswert ist für jemanden, der das nicht wirklich gerne tut, ist klar. Deshalb finde ich es auch sehr realistisch, dass die Figuren im Film daran scheitern. Auf Knopfdruck ficken ist eben schwer.

Peter Krobath: Für dich als Schauspielerin muss dieses Projekt eine doppelte Belastung gewesen sein: Erstens gab es Nacktszenen und zweitens mussten auch die Pointen stimmen ...

Pia Hierzegger: Nacktsein braucht man ja nicht spielen, das ist man oder man ist es nicht. Ich finde es viel schwieriger, eine Pointe gut zu setzen.

Peter Krobath: So ein Projekt kann natürlich auch fürchterlich in die Hosen gehen. Was am Ende dabei raus kommt, sieht man ja erst, wenn der Film im Kasten ist. Gab es da Befürchtungen deinerseits?

Pia Hierzegger: Weil ich den Michael Ostrowski schon sehr lange kenne und auch sein Drehbuch in den verschiedensten Phasen gelesen habe, war von Anfang ein großes Vertrauen da. Aber es hat dann schon Diskussionen gegeben, was wir machen müssen, so in der Art: Unter dem geht´s nicht, weil sonst brauchen wir die Sache erst gar nicht anzufangen. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich da zu irgendwas gezwungen werde. Es war einfach wichtig in der Vorbereitungszeit, dass wir viel gesprochen und probiert haben, damit sich ein gegenseitiges Vertrauen aufbaut. Natürlich kriegt das auch eine gewisse Selbstverständlichkeit, wenn man die ganze Zeit von Dildos umgeben ist und von Menschen, die mit wenig Kostüm herumlaufen. Obwohl ganz verloren haben wir die Scheu vor der Nacktheit trotzdem nie. Es gab schon Szenen, vor denen man einen gewissen Respekt hatte. Ich glaube, am meisten Angst hat man davor, dass man zu weit geht, wenn man so eine Szene spielt. Ich meine, auf mich kann ich ja aufpassen, aber irgendwie muss ich ja auch auf den anderen aufpassen.

Peter Krobath: Was ist das Interessante am Grenzbereich zur Pornografie?

Pia Hirzegger: Ich glaube, wenn es mit Humor gemacht wird, ist es einfach lustig, mit diesem Grenzbereich umzugehen, und sonst geht es wohl nur ums provozieren wollen.

Peter Krobath: War bei euch auch die Lust an der Provokation dabei?

Pia: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mir überhaupt erst, als der Film fertig war, die Frage gestellt, ob das irgendwen verstören könnte. Für mich ist NACKTSCHNECKEN auch kein sonderlich realistischer Film, eher ein Märchen. Diese Dramaturgie will keinen Realismus darstellen, deshalb ist es auch nicht provokant. Ich würde es nur sehr schwer verstehen, wenn sich jemand durch NACKTSCHNECKEN provoziert fühlt. Und wenn schon, dann eher durch den lockeren Umgang mit Drogen, der da praktiziert wird. Wahrscheinlich ist das Kiffen viel provokanter als die Nacktheit.

Peter Krobath: Wie würdest du den Humor in NACKTSCHNECKEN beschreiben?

Pia: Es ist sicher ein naiver Humor, ein sehr offener Humor. Obwohl es auch Figuren gibt, die einen leicht zynischen Zug haben. Zum Beispiel wenn der Max seine Reden schwingt, das liegt immer zwischen Ernst und Witz. Aber prinzipiell ist es ein Humor, der von einer Lust am Spaß kommt. Vielleicht ist es ein Kifferhumor.

Peter Krobath: War diese Annäherung an die Pornografie für dich nie eine Hemmschwelle?

Pia: Komischerweise nicht. Ich habe es einfach nicht so wichtig genommen. Außerdem habe ich als Regisseurin im Film ja eine angenehme Rolle. In den Anfängen des Drehbuchs hat es sogar so ausgesehen, als ob ich mich nicht einmal ausziehen müsste. Die Massenszene, in der wir alle nackt im Garten herumtollen, ist ja erst aus den Proben entstanden. Vielleicht wäre es schwieriger gewesen, wenn ich mich schon beim Lesen des Drehbuchs genauer gefragt hätte, wo das schlussendlich hinführen kann. Aber die Herausforderung, meinen ersten Film zu machen, und vor allen die entspannte Atmosphäre, die von Anfang an herrschte, hat mich soweit gebracht, dass ich gar nicht darüber nachdachte, ob ich das jetzt blöd oder peinlich finde.

Peter Krobath: Im Film wird Pornografie als etwas relativ Alltägliches dargestellt. Deine Figur muss nicht erst groß überredet werden, um sie zum Pornodreh zu bewegen. Wie siehst du das persönlich?

Pia: Ich finde Pornofilme vor allem langweilig. Ich halte sie nicht für verwerflich, aber manchmal finde ich es traurig, dass man so etwas braucht. Aber vielleicht ist das auch nur eine Ästhetik, wo ich einfach nicht mitkann. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich gerne Pornodarstellerin sein will, würde ich sofort und ohne das nachher zu bereuen sagen: ”Nein, ich will das nicht.” Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es bei so einem Film am Set besonders lustig zugeht. Für mich ist das kein besonders reizvoller Zweig.


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